Funktionale Pilze zwischen Hype und Studienlage

Was Lion's Mane und Reishi wirklich können

Vitalpilze wie Lion's Mane, Reishi und Cordyceps gehören zu den am schnellsten wachsenden Kategorien im Supplement-Markt und werden vor allem mit Konzentration, Stressresistenz und Immunfunktion beworben. Ein Blick auf die aktuelle Studienlage relativiert einiges davon.

Lion's Mane: kleine Effekte, kleine Studien

Ein systematisches Review aus dem Jahr 2025 kommt zu einem gemischten Bild: Einzelne kognitive Parameter verbesserten sich zwar unter Lion's Mane, die zugrundeliegenden klinischen Untersuchungen waren jedoch durchweg klein. Eine 2025 durchgeführte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 18 gesunden jungen Erwachsenen fand für Gesamtkognition und Stimmung keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo. Für die vielzitierte "Gehirnnahrung"-Erzählung fehlt bislang eine belastbare Grundlage bei gesunden Menschen.

Reishi: kaum messbare Effekte in großen Analysen

Deutlicher noch fällt das Bild bei Reishi aus. Ein systematisches Review von 2025, das 17 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 971 Teilnehmenden zusammenfasst, fand in der gepoolten Analyse keine signifikanten Verbesserungen bei Blutdruck, Nüchternblutzucker, Blutfettwerten, Entzündungsmarkern oder Leberenzymen. Die Evidenzqualität wurde dabei für alle untersuchten Endpunkte als sehr niedrig eingestuft.

Cordyceps: uneinheitlich, methodisch schwach

Für Cordyceps liegen fünf Interventionsstudien aus den Jahren 2017 bis 2024 mit insgesamt 321 Teilnehmenden vor. Einige davon berichten Verbesserungen bei Leistungs- oder Erholungsparametern, doch methodische Schwächen – kleine Stichproben, unterschiedliche Extraktzubereitungen, oft Kombipräparate mit mehreren Inhaltsstoffen – verhindern bislang eindeutige Schlussfolgerungen.

Praktische Stolpersteine

Neben der dünnen Evidenzlage kommt ein zweites Problem hinzu: Herkunft und tatsächliche Wirkstoffkonzentration vieler Extrakte sind für Verbraucher kaum nachvollziehbar. Angaben wie "10:1-Extrakt" sagen ohne Bezug auf einen standardisierten Leitstoff wenig über die tatsächliche Qualität aus. Auch rechtlich ist nicht jede Anwendung in der EU eindeutig geklärt, insbesondere bei neuartigen Extraktformen.

Fazit

Funktionale Pilze sind kein Betrug, aber der Hype liegt der aktuellen Studienlage deutlich voraus. Wer sie ausprobiert, sollte das eher als Selbstversuch mit überschaubarem Risiko denn als wissenschaftlich abgesicherte Maßnahme verstehen – und bei Produktwahl auf nachvollziehbare Extraktangaben achten.

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